Künstliche Intelligenz bei smarticular: Wie wir sie nutzen – und warum das gut ist.

Seit 2014 veröffentlichen wir auf smarticular.net Anleitungen, Rezepte und Ideen für ein einfacheres, grüneres und nachhaltigeres Leben. Unser Ziel war und ist es immer, Probleme nicht nur aufzuzeigen, sondern alltagstaugliche Lösungen zu bieten. In den letzten 12 Jahren ist so, auch dank des unermüdlichen Feedbacks unserer großartigen Community, ein riesiger Wissensschatz entstanden.

Um dieses Wissen so verständlich und inspirierend wie möglich zu vermitteln, haben wir schon immer viel Wert auf Bilder und Infografiken gelegt. Doch wer unsere Arbeit verfolgt, hat vielleicht bemerkt, dass wir in letzter Zeit neue Wege der visuellen Darstellung gehen – unter anderem für Social Media sowie für unser Buchprojekt Selber machen statt kaufen – Das Bilderbuch.

Dafür nutzen wir neben vielen anderen Werkzeugen mittlerweile auch Künstliche Intelligenz (KI).

Wir wissen, dass das Thema KI viele Fragen und auch berechtigte Sorgen aufwirft. Man liest von enormem Stromverbrauch, von gestohlenen Inhalten und dem Verlust von Arbeitsplätzen. Als Verlag für Nachhaltigkeit haben wir uns diese Fragen deshalb sehr intensiv gestellt.

Unsere Antwort und Kernüberzeugung lautet: Richtig eingesetzt, ist KI kein Feind der Nachhaltigkeit, sondern ein mächtiger Hebel, der weit mehr Ressourcen einspart als verbraucht. Wir nutzen KI nicht, um menschliche Arbeit durch seelenlose Maschinen zu ersetzen. Wir nutzen sie, um neue, leicht verständliche Formate zu erschaffen, die ohne diese Technologie schlichtweg unbezahlbar und damit unmöglich wären. So können wir erprobte, nachhaltige Inhalte einem noch viel größeren Publikum zugänglich machen.

Wie genau wir das tun, wo unsere Grenzen liegen und warum der Einsatz von KI in diesem Fall sogar einen großen Beitrag für mehr Nachhaltigkeit leistet, erklären wir in den folgenden Antworten auf eure häufigsten Fragen.

Wofür genau verwendet ihr KI?

Wir nutzen KI sowohl zur Qualitätssicherung (u.a. “Fact Checking”), als auch als eines von vielen Werkzeugen für unser Grafikteam. Unsere Infografiken und Illustrationen für Beiträge und Bücher entstehen dabei nicht “durch KI” quasi auf Knopfdruck, sondern sind das Ergebnis eines umfassenden kreativen und gestalterischen Prozesses, bei dem KI-Werkzeuge unterstützend eingesetzt werden. Beispiele hierfür sind das Freistellen von Objekten, wofür heute nahezu jede moderne Grafiksoftware KI-Funktionen bietet, das Ergänzen fehlender Hintergründe oder die Entwicklung von Layouts für komplexe Inhalte. Das Ziel bleibt unverändert: Infografiken sind fantastisch, um unsere Rezepte auf einen Blick verständlich zu machen. Darüber hinaus nutzen wir Text-KIs gelegentlich auch intern zur Strukturierung von Ideen oder zur Prüfung von Anleitungen auf logische Lücken. Selbst jede Google-Suche nutzt inzwischen KI, und auch alternative Suchmaschinen wie Ecosia enthalten entsprechende Funktionen. Der Kern unserer Arbeit – die Recherche, das praktische Ausprobieren der Rezepte und unser Expertenwissen – stammt dabei stets zu 100 % von echten Menschen und persönlicher Erfahrung.

Geht das nicht auch ohne KI?

Theoretisch ja. Praktisch nein. Sehr detaillierte Infografiken komplett per Hand zu illustrieren, ist ein enormer zeitlicher und finanzieller Aufwand. Aus eigener Erfahrung und durch Kostenvoranschläge wissen wir: Bei Bestsellern in Millionenauflage (wie berühmten Kinderbüchern) trägt sich so ein Aufwand. Für einen kleinen, unabhängigen Verlag wie uns sind solche Illustrationskosten jedoch nicht durch den Buchverkauf refinanzierbar – schon gar nicht, wenn man faire Druck- und Vertriebskosten berücksichtigen möchte. Die Alternative zu unseren KI-unterstützten Grafiken ist also nicht die handgezeichnete Grafik. Die Alternative wäre, dass es diese anschaulichen Buchprojekte und Infografiken schlichtweg gar nicht geben würde. Und es ist doch so: Niemand möchte heute mehr langweilige Klötzchen-Grafiken im PowerPoint-Stil anschauen. Um in der bunten und vielseitigen Welt von Social Media und modernen Medien überhaupt noch durchzudringen und Menschen für nachhaltige Ideen zu begeistern, kommt man an zeitgemäßen Werkzeugen – einschließlich KI – kaum noch vorbei. Genau dieses Erreichen der Menschen war und ist immer unser oberstes Ziel.

Sind da überhaupt noch echte Menschen beteiligt?

Und wie! Es ist ein Irrglaube, dass man bei KI nur auf einen Knopf drückt und ein fertiges Ergebnis oder gar ein ganzes Buch herausfällt. Wir haben gelernt: Selbst mit KI ist das Ergebnis immer nur so gut wie der menschliche Input. Da die KI für uns ein Werkzeug unter vielen ist, sieht der Arbeitsprozess jedes Mal etwas anders aus – mal mit mehr, mal mit weniger KI-Beteiligung. Ein typischer Ablauf sieht beispielsweise so aus: Unser Grafikteam entwickelt anhand eines geprüften Rezepts oder Beitrags zunächst ein gestalterisches Konzept. Dabei nutzen wir unser Fotoarchiv aus 12 Jahren als Referenzmaterial, um der KI die Elemente und die Richtung für Stil und Komposition vorzugeben. Was das Programm dann ausspuckt, ist in der Regel nur ein „Rohling“ und oft noch fehlerhaft. Es folgt eine minutiöse menschliche Prüfung. Den eigentlichen gestalterischen Feinschliff übernimmt danach wieder unser Team: Die Bilder werden in klassischen Bildbearbeitungsprogrammen intensiv nachbearbeitet, korrigiert und final für den Druck oder das Web gelayoutet.

Ohne diese aufwendige menschliche Vorgehensweise entstünde das, was im Netz mittlerweile oft als „AI Slop“ (zu Deutsch etwa KI-Matsch oder -Ausschuss) bezeichnet wird. Bestimmt kennt jeder Beispiele von massenhaft produzierten, fehlerhaften oder schlichtweg lächerlichen KI-Bildern und -Videos, bei denen man auf den ersten Blick sieht, dass etwas nicht stimmen kann. Solche unreflektiert generierten Inhalte passen überhaupt nicht zu unserem Qualitätsanspruch. Unsere Community darf zu Recht erwarten, dass unsere Rezepte und die dazugehörigen Bilder Hand und Fuß haben – ganz gleich, welche modernen Werkzeuge bei der Erstellung geholfen haben.

Aber KI verbraucht doch Unmengen an Strom und Wasser! Passt das zu Nachhaltigkeit?

Das ist die wichtigste Frage. Ja, das Training und der Betrieb von KI kosten viel Energie. Wir bewerten das jedoch nach dem sogenannten „Net-Positive-AI“-Ansatz (Netto-Positiv-KI). Das bedeutet: Wir vergleichen den Energieverbrauch der KI mit der Energie, die durch das KI-Ergebnis in der realen Welt eingespart wird.

Ein konkretes Rechenbeispiel für unseren Alltag: Nehmen wir an, wir erstellen mit Hilfe einer KI eine aufwendige Infografik für ein selbst gemachtes Deo.

  • Der Verbrauch der KI: Das Generieren von einem komplexen Bild verbraucht auf den Servern sehr großzügig geschätzt ca. 0,1 Kilowattstunden (kWh) Strom und verdunstet etwa 150 Milliliter Kühlwasser.
  • Die Einsparung: Die Grafik ist so anschaulich, dass 100 Menschen beschließen, ihr Deo ab sofort selbst zu machen, statt konventionelle Deo-Sprays zu kaufen. 100 Menschen, die man ohne diese Grafik nicht erreicht hätte. Allein die Nicht-Produktion von 100 Aluminium-Spraydosen (Aluminiumherstellung ist extrem energieintensiv im Vergleich zu DIY-Zutaten) spart grob geschätzt 40 kWh Energie und über 150 Liter industrielles Prozesswasser.

Das Verhältnis von Aufwand zu Einsparung von Energie liegt hier bei 1 zu 400. Selbst wenn nur eine einzige Person ein Deo nicht kauft, ist die Bilanz bereits positiv! Der geringe digitale Ressourcenaufwand befähigt Menschen dazu, in der physischen Welt massiv Ressourcen einzusparen. Deshalb ist der gezielte KI-Einsatz für uns sogar extrem nachhaltig.

Ein sehr ähnlicher Vergleich lässt sich übrigens mit gedruckten Büchern ziehen: Ein physisches Buch herzustellen, kostet ebenfalls Energie, Wasser, Holz und andere wertvolle Ressourcen. Jedoch hilft das darin vermittelte Wissen (insbesondere in unserem Fall), im Alltag in einem viel größeren Maßstab Ressourcen einzusparen. Wenn das Buch sein Ziel erreicht und Veränderung inspiriert, ist es im Ergebnis mehr als ressourcenneutral – es ist net-positiv. Wäre es also gerechtfertigt, Bücher grundsätzlich abzulehnen, nur weil ihr Druck Ressourcen verbraucht? Bei KI als Werkzeug zur Wissensvermittlung verhält es sich genau gleich.

Dass dieser Ansatz in der Praxis funktioniert, zeigen auch große Fallbeispiele und Studien aus der Industrie:

  • Google DeepMind & Rechenzentren: Google nutzt ein KI-System, um die komplexen Kühlsysteme der eigenen Rechenzentren zu steuern. Der Energiebedarf für die Kühlung konnte so um 40 % gesenkt werden – die Einsparungen übertreffen den Stromverbrauch des KI-Modells dabei um ein Vielfaches.
  • Studie von PwC & Microsoft: Eine weitreichende Untersuchung (“How AI can enable a Sustainable Future”) kommt zu dem Schluss, dass der gezielte Einsatz von KI in Schlüsselsektoren wie Landwirtschaft, Wasser, Energie und Transport die weltweiten Treibhausgasemissionen bis 2030 um bis zu 4 % senken kann.

Verlieren Kreative durch KI ihren Job?

Wir sind der festen Überzeugung und sehen es im eigenen Team: Nein, das Gegenteil ist der Fall. KI ist nicht von sich aus kreativ. Sie hat keine eigenen Ideen, keine Werte und keine Mission. KI automatisiert lediglich manuelle bzw. handwerkliche Tätigkeiten – genauso, wie der Taschenrechner einst die mühsame Arbeit des menschlichen „Calculators“ übernommen hat, der noch in den 60ern die Flugbahnen von Mondraketen von Hand ausrechnen musste.

Ein passender Vergleich hierzu ist die „Photoshop-Panik“ Anfang der 90er Jahre: Als die ersten digitalen Bildbearbeitungsprogramme populär wurden, gab es große Befürchtungen, dass klassische Fotografen, Retuscheure und Grafiker schlagartig überflüssig werden würden. Passiert ist jedoch das Gegenteil: Photoshop hat die Branche nicht vernichtet, sondern revolutioniert. Es wurde zu einem neuen Standardwerkzeug, das die Arbeit effizienter machte und völlig neue kreative Ausdrucksmöglichkeiten geschaffen hat.

Genau das kann man jetzt auch beobachten und die echte kreative Leistung von Menschen, die KI und andere Werkzeuge nutzen, wird immer wichtiger. Unser Grafikteam hat durch die KI keine Arbeit verloren, sondern die Arbeit ist sogar mehr geworden – einschließlich der Weiterentwicklung in Richtung Art-Direktion. Sie delegieren heute lediglich einen Teil des unkreativen „Pixel-Schubsens“ an die Maschine und haben so mehr Kapazitäten für den kreativen Teil sowie für Konzept und inhaltliche Aussage.

Ist KI nicht Diebstahl, weil sie mit fremden Daten trainiert wurde?

Die Frage, mit welchen Daten die großen Basismodelle trainiert wurden, ist juristisch und ethisch extrem komplex. Wir als Anwender haben leider keinen Einblick in die “Blackbox” der Trainingsdaten der großen Anbieter.

Als Verlag mit zahlreichen Büchern, tausenden Online-Inhalten und weit über hunderttausend selbst veröffentlichten Bildern und Videos stellen wir uns diese Frage selbst regelmäßig: Wie viel von unserer eigenen jahrelangen Arbeit ist wohl ohne Zustimmung in das Training von KI-Modellen eingeflossen? Wir sind aus dieser Sicht selbst „Betroffene“ und bei diesem Thema entsprechend stark sensibilisiert. Wir können und wollen das nicht juristisch bewerten. Bisherige gerichtliche Entscheidungen, zum Beispiel hier, sehen jedenfalls keine Rechtsverstöße.

Trotzdem bleibt die Frage, ob die Verwendung von KI unmoralisch bzw. unethisch ist. Hierfür ist es wichtig zu unterscheiden: KI kann genauso wie ein Mensch handwerkliche Vorgehensweisen erlernen, so wie der Taschenrechner (eine Maschine) das Rechnen gelernt hat. Daran ist nichts illegal oder unethisch. Jedoch besitzt die KI genauso wie der Taschenrechner keine echte Kreativität. Eine Mona Lisa kann man handwerklich perfekt nachmalen. Eine Fotokamera und ein Drucker können das auch. Aber erschaffen konnte sie nur Leonardo da Vinci. Genauso verhält es sich heute mit Kunst und neuen kreativen Ideen. Eine KI kann (ähnlich wie unkreative Menschen das auch können) bestehende Ideen imitieren oder neu zusammenwürfeln, aber sie kann nach heutigem Stand nicht selbst aus dem Nichts heraus kreativ werden.

Was wir für unsere Arbeit jedoch garantieren können: Wir nutzen KI ausdrücklich nicht, um den spezifischen, urheberrechtlich geschützten Stil bestimmter Künstler oder Künstlerinnen zu imitieren, das wäre in der Tat unethisch. Die Objekte in unseren Grafiken (Gläser, Kernseife, Äpfel, Natron) sind generisch und alltäglich. Unsere Originalität entsteht vielmehr durch das gestalterische Gesamtkonzept und die Arbeit unseres Grafik-Teams – auch wenn der klassische „Pinsel“ heute des Öfteren durch die Tastatur (den Prompt) ersetzt wird. Wir beobachten die rechtliche Entwicklung in diesem Bereich (auch im Hinblick auf Open-Source-Modelle) sehr genau und passen unsere Prozesse an, sollte sich die Gesetzeslage ändern.

Wie ist es mit der Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte?

Hier differenzieren wir sehr bewusst. Nach der aktuellen und erwarteten Gesetzeslage (etwa dem EU AI Act) besteht eine klare Kennzeichnungspflicht vor allem dann, wenn reale Personen, Orte oder Dinge getäuscht oder imitiert werden (sogenannte Deepfakes). Solche Inhalte erstellen wir ohnehin nicht. Gleichzeitig betonen auch die Behörden, dass man eine „Kennzeichnungsflut“ dort vermeiden möchte, wo der KI-Einsatz für den Nutzer unerheblich ist. Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2026 über 90 % aller Medien in irgendeiner Form mit KI erstellt oder bearbeitet sein werden – ein pauschales KI-Label würde also fast überall prangen und seinen Sinn verlieren.

Wir halten alle gesetzlichen Vorgaben strikt ein, möchten aber genau diese unnötige Kennzeichnungsflut vermeiden. Bei unseren Veröffentlichungen, bei denen KI zum Einsatz kommt, handelt es sich meist um stilisierte Infografiken oder grafische Collagen. Für das finale Ergebnis und die Nutzbarkeit einer solchen Grafik macht es schlichtweg keinen Unterschied, ob ein bestimmtes Element per Hand freigestellt oder dabei ein KI-Werkzeug genutzt wurde. Eine pauschale Kennzeichnung jedes Bildes, das auch nur am Rande mit KI in Berührung kam, würde lediglich von dem ablenken, worum es uns eigentlich geht: den nachhaltigen Ideen und Rezepten. Unser Ziel ist es, den Fokus auf dem Wesentlichen zu belassen, statt euch mit Hinweisen auf unsere digitalen Werkzeuge zu überfluten.

Hat man bei KI-Bildern überhaupt ein Urheberrecht?

Diese rechtliche Frage ist global noch im Fluss. Nach aktuellem Stand (Frühjahr 2026) ist reine Maschinenleistung nicht urheberrechtlich geschützt. Wenn man aber – so wie wir – ein aufwendiges kreatives Konzept erstellt, eigene Texte und Fotos als Referenz vorgibt, das Bild durch iteratives Prompting maßgeblich gestaltet und danach umfassend grafisch nachbearbeitet, entsteht durch diesen erheblichen menschlichen Einfluss sehr wohl ein schützenswertes Werk. Die KI ist für uns wie ein sehr komplexer Pinsel. Der Urheber bleibt der Mensch, der den Pinsel führt.

Unser Fazit: Der Kern bleibt menschlich

Die Diskussion um KI schwankt oft zwischen Weltuntergang und Heilsversprechen. Wir betrachten sie ganz schlicht als Werkzeug, das wir mit einer deutlich positiven Ressourcenbilanz nutzen können, um die Idee eines einfachen, nachhaltigen Lebens weiter zu verbreiten.

Der eigentliche Mehrwert, den ihr in unseren Büchern und auf smarticular.net findet, ist nicht die neue Grafiktechnologie. Der wahre Wert sind zwölf Jahre kontinuierliche Arbeit, unermüdliches Ausprobieren und der gewachsene Wissensschatz unserer Community.

Die KI hilft uns lediglich dabei, dieses Wissen neu, anschaulich und kosteneffizient zu verpacken. Ohne diesen Kern an fundiertem, menschengemachtem Inhalt wäre die schönste Grafik völlig wertlos. Wir freuen uns darauf, diese neuen Möglichkeiten zu nutzen, um gemeinsam mit euch das Leben noch ein bisschen einfacher und grüner zu machen.

Du hast weitere Fragen, die hier offen geblieben sind? Dann sende uns gern eine Nachricht über das Kontaktformular!

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